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  • Neubau Bibliothek Sankt Gallen, 2.Preis


    Studienauftrag Neubau Bibliothek Sankt Gallen

    Architektur E2A Piet Eckert und Wim Eckert Architekten AG

    Der Bibliotheks-Neubau verleiht dem Marktplatz eine Fassung im Westen und etabliert damit eine neue Sequenz von Aussenräumen sehr unterschiedlicher Dimensionen. Der ursprünglich dreiseitig gefasste Blumenmarkt, der sich zum Marktplatz hin öffnete, wird mit dem Bilbiotheksbau neu allseitig umfasst. Dies transformiert seinen Charakter relativ grundlegend. Der entstehende hofartige Raum orientiert sich in seiner Stimmung an kleinen, manchmal etwas abgelegenen Plätzen in Altstädten, die in ihrer Modestheit eine unglaubliche Ausstrahlung auf den Besucher ausüben. Sie sind sehr oft auch willkommene Ruheoasen inmitten eines dichten, belebten städtischen Gefüges. Gerade in der Abfolge nach dem grossen Marktplatz, der in der Längsachse mit dem Bohl eine räumliche Fortsetzung hat, kann dieser Kontrast eines geborgenen Platzes eine spannende Abwechslung darstellen. Der Ort wird mit klassischen Elementen einer Platztypologie bespielt: ein akzentsetzender Baum, eine Sitzbank und ein Brunnenelement. Sie konstituieren ein Ensemble an der südlichen Parzellengrenze, um als Filter zur Passage zwischen „Oberem Graben“ und Marktplatz zu fungieren, und nördlich davon einen durchgehenden flexibel bespielbaren Raum frei zu schaffen. Dieser ist vielseitig nutzbar: von der Café-Terrasse, die als Lesestube im Freien funktionieren kann, hin zum Ort für kulturelle Veranstaltungen wie z.B. Lesungen oder kleine Theateraufführungen. Die runde Formensprache der Platz-Elemente unterstreicht ihren Charakter als Gelenke und Filter, keineswegs als Raumabschlüsse. Denn die Bibliotheks-Terrasse wird als einladender und offener Ort der Kultur verstanden. 

    Die Materialisierung des Bodenbelags veranschaulicht die Idee, dass es sich fast um einen Innenraum unter freiem Himmel handelt. Ein Riemchenparkett aus Natursteinen als Anspielung auf ein Wohnzimmer-Parkett im Fischgrätenmuster soll dies zum Ausdruck bringen. Das Muster richtet sich an den umgebenden Fassadenfluchten aus. Unregelmässige Brüche mit Richtungswechseln im Verlegemuster zeichnen auf subtile Weise die Hauptzugangswege zu den Eingängen am Platz ab. Um die Versickerung des Regenwassers zu ermöglichen, sind die Fugen gesandet und offenporig ausgebildet. Die überdachte Passage entlang des Oberen Grabens versteht sich als Fortsetzung des Trottoirs und wird folglich in Asphaltbelag ausgebildet. Die Passage im Norden im Bereich des Marktplatzes hingegen ist gemäss der neuen Planung und den vorgeschlagenen Belagsgrenzen für den Marktplatz in Pflasterung ausgebildet.

    Eine in einem grosszügigen Trog mit Sitzbank gepflanzte Winterlinde, ein hochstämmiger einheimischer Laubbaum mit einem hohen Wert in Bezug auf den Aspekt der Biodiversität, wird den Platz prägen. In ihrer kulturellen Bedeutung in Mitteleuropa haben Lindenbäume sehr häufig als Treffpunkt im Dorfzentrum fungiert und waren somit auch Ort des Nachrichtenaustausches und des kulturellen Austauschs.